Nächste Folge im New Yorker Leidensweg von Dominique Strauss Kahn
7 Juni, 2011 at 8:42 pm Hinterlasse einen Kommentar
Wie man einen unbequemen politischen Rivalen los wird – Brief an einen befreundeten Altersgenossen in Frankreich
Cher Congénère,
Natürlich erinnere ich mich von meinen 11 Jahren in den USA an die Bedeutung und das oft schwer durchschaubare, sehr einflussreiche Verhalten des ehemaligen USA Staatssekretärs Cyrus Vance, der Vater des heutigen Obersten Staatsanwalts für Manhattan, Cyrus Vance junior, der gemäss Zeitungsmeldungen als Demokrat für seine Wiederwahl angewiesen ist auf eine erfolgreiche Durchführung des heute nach dem not guilty von DSK offiziell in New York in Gang gekommenen Strafverfahrens wegen der angeblichen Vergewaltigung eines Zimmermädchens des Sofitel Hotels im Lower-Manhattan, N.Y.( siehe Blog vom 17.05 .11 ).
Aber darf man wirklich davon ausgehen, dass daraus bei Wahlen irgendwelches Kapital bei den heute stark in Erscheinung getretenen und in den USA in Sexfragen ohnehin sehr traditionell dominierenden Feministinnnen, den armen arbeitenden Klassen und besonders bei dem Segment der schwarzen Wähler herausgeholt werden kann? Für die arg angeschlagene demokratische Partei und das tief liegende Wählerbarometer Obamas wäre natürlich jeder Zustupf und Erfolg eines im Rampenlicht stehenden „ Prosecutors“, wie der Demokrat Cyrus Vance jun., höchst willkommen.
Einverstanden, aber, lieber Altersgenosse, gehen gewisse Kreise in Frankreich nicht zu weit, eine irgendwie geartete Verbindung über den Atlantik nach Paris und mitten in die bevorstehenden Präsidentschafts-Wahlen knüpfen zu wollen. Zunächst einmal ist für mich DSK noch lange nicht der vorsätzlichen Vergewaltigung schuldig erklärt worden. Eine einstimmige Verurteilung der Geschworenen mit einem beyond any doubt ist noch, wenn überhaupt, in sehr weiter Ferne.
Aber wenn von den Vertretern der Verschwörungstheorie zum Loswerden von DSK als der vor seiner Verhaftung in New York aussichtsreichste Präsidentschaftskandidaten an die in den letzten Tagen am Fernsehen beobachteten, nicht einmal vor der Kamera versteckten, wiederholten sehr intim geführten Gespräche zwischen Sarkozy und Obama (die sicherlich nicht nur den Finanzproblemen Griechenlands, Portugals usw, galten) hingewiesen wird, so kann man natürlich nicht ausschliessen, dass es zwischen Sarkozy und Obama vielleicht um eine ganz anders geartete Schützenhilfe ging. Persönlich habe ich Mühe einem solchen Verdacht irgendwelchen Glauben zu schenken. Und wenn dem so wäre, lieber Freund, sind die Chancen der Sozialisten mit Aubry oder Holland doch fast so gut, wie diejenigen von Sarkozy, obwohl kein Zweifel daran bestehen kann, dass DSK der erfolgreichste Kandidat wäre – pardon gewesen ist, bis zu diesem leidigen, in unserer permissiven Gesellschaft, besonders bei den führenden Kreisen, durchaus als normal und verzeihbar empfundenen Intermezzo im New Yorker Sofitel. Vor allem wenn es den Anwälten von DSK gelingt, mit dem Plädoyer des gegenseitigen Einverständnisses durchzudringen.
Trotzdem, lieber Congénère, ist mir das von Dir vorgelegte Szenario viel zu wackelig, weil erstens Frankreich nicht das Italien Berlusconis ist und für viele Wähler solche sexuelle Intermezzos, auch im gegenseitigen Einverständnis, nicht zu einem Präsidentschaftskandidaten der Grande Nation (trotz vieler historischer Präzedenzfälle) passen – weniger wegen der Sache an sich, sondern wegen dem geschmacklosen Vorgehen fehlender Discrétion.
Anders ist es in Bezug auf den Zeitpunkt.
Hier kann die an sich schwerfälliger Prozedur der amerikanischen Justiz, die Sache solange hinziehen, bis es auch bei aller Sympathie für eine Präsidentschaftskandidatur von DSK zu spät ist. Und da kann sogar in Washington von ganz oben noch einiges passieren, dem könnte nur vorgebeugt werden, wenn DSK auf guilty klagt und nun von seinen Anwälten alle Fäden gezogen werden können, einschliesslich recht fetter Ueberzeugungspralinen, um noch vor Ende des Jahres eine Regelung zu finden. Schliesslich liegt die Entscheidung dafür nicht in Washington, sondern einzig und alleine im Bundesstaat New York, beim Richter in Manhatten und den dort gewählten Geschworenen.
Also lieber Freund , vorläufig ist noch alles offen: Deine Verschwörungstheorie ist durchaus plausibel, genau so wie die Chancen eines subtilen Vorgehens der Anwälte in Ausnützung all der zahllosen Wege und Schleichpfade amerikanischer Justiz.
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Der Suspens geht weiter – melde mich wieder nach er ersten, heute auf den 18.Juli festgesetzten eigentlichen Gerichtssitzung. Vorausgesetzt, es kommt vorher nicht zu einem Vergleich – in den USA dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist alles denkbar…
Bis dahin Dein 90 jähriger Altersgenosse
Eintrag abgelegt unter Politik. Tags: beyond any doubt, DSK, not guilty, Obama, Sarkozy.
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