„Viele Hunde sind des Hasen Tod“ dürfte in der Affäre DSK kaum wirken
5 Juli, 2011 at 6:45 pm Hinterlasse einen Kommentar
Beruhigungs- Brief an meinen französischen Altersgenossen
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Mon très cher ami
Bitte rege Dich nicht unnötig auf.
Du bist hellauf entrüstet, dass jetzt die Komplottteure gegen eine Präsidentschaftskandidatur von Dominique Straus-Kahn (DSK) eine alte, angebliche sexuelle Belästigung einer jungen aufstrebenden Schriftstellerin, Tristane Banon, im Jahre 1902 wieder aufgenommen haben und in Frankreich vor die Gerichte gebracht werden soll. Ein führender Parteigenosse von Dir, der ehemalige Generalsekretär der sozialistischen Partei, François Hollande, habe sogar vor den Medien irgendeine Beteiligung an irgendeinem Komplott abgelehnt. Genau so, wie Du auch die Bemühungen in den USA, um die Kaltstellung der zuständigen Sexermittlerin in Manhattan, die von Anfang an die Aussagen des angeblichen New Yorker Sofitel-Opfers von DSK in Frage gestellt hatte, als die Auslösung einer Jagd auf beiden Seiten des Atlantiks gegen den unbequemen Präsidentschaftskandidaten bewertest.
Halt an und bedenke:
Erstens sind viele Hunde nicht immer der Tod des Hasen. Die Hunde bellen zurzeit hüben und trüben viel zu laut und der Hase, in diesem Falle DSK, ist nicht nur sehr schnell, sondern dank seiner Frau auch viel zu geschickt. Die Schwerfälligkeit seiner Gegner wäre wirklich allzu Plump, wenn sich Deine Befürchtungen bewahrheiten sollten.
Zweitens wenn der wichtigste Drahtzieher auch gar nicht bei Deinen sozialistischen Parteigenossen zu suchen ist, so kann auf der anderen Seite auch nicht behauptet werden, dass die eigentlichen Komplottteure über die Sofitel-Accor im Auftrag anderer Präsidentschaftskandidaten agieren. Zu meiner Zeit in Basel hatte ich mit den zwei Gründer der heutige Accor Gruppe, Paul Dubrule und Gerard Pelisson eng zusammen gearbeitet, um Messen, Hotels und Videokonferenzen mit den damals, Beginn der 17970iger Jahre vorhandenen, rudimentären technischen Mittel zusammenzuschweissen. Ich lernte sie als ausserordentlich gewiegte Promotoren, aber auch als korrekte, unabhängige und faire Partner kennen. Zu solchen Spielchen, wie das heute der Accor vorgeworfen wird, hätten sie nie die Hand geboten.
Drittens sind die Auftraggeber wohl eher in Richtung politischer Klüngel und die mit ihnen verbündeten, besonders in Frankereich äusserst karrieresüchtigen Hohen Beamten, Ratgeber und Experten zu suchen. Einer zu Recht oder Unrecht als schwächelnd beurteilten Präsidentschaftskandidatur des gegenwärtigen Inhabers Sarkozy einen neuen Auftrieb zu vermitteln, dürfte vielen als der sich jetzt aufdrängende Schachzug zu einem fulgurenten Karrieresprung vorkommen. Aber nach wie vor wehre ich mich dagegen, zu glauben, dass dies auf direkten Wunsch des Präsidenten geschieht. Dazu ist er viel zu klug, viel zu vorsichtig und irgendwie tief in ihm, trotz all der gezeigten Schlauheit und Gewiefheit, ein fairer Kämpfer. Was keineswegs das um ihn her wogende Getümmel, Intrigieren und Agieren ehrgeiziger Höflinge entschuldigt.
Also, lassen wir vorerst die Hunde bellen, den Hasen möglichst frei laufen und warten wir die weiteren Sensationen ab. Bitte beruhige Dich und arbeite weiter an Deinen Parteigenossen, das sie für den Fall der Fälle einen anderen Kandidaten als DSK in Bereitschaft halten und dann „may the best women or the best man win“.
Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute und
take it easy. Dein FPW
Eintrag abgelegt unter Politik. Tags: Accor, DSK, François Hollande, Sarkozy, Tristane Banon.
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