China wieder auf dem Weg zum Reich der Mitte – diesmal unserer ganzen Welt?

21 Februar, 2013 at 9:42 pm Hinterlasse einen Kommentar

I

Faszinierend der kürzlich im Fernsehen gezeigte Dokumentarfilm. Gleich wie die Shang-Dynastie 1700-1100 v. Chr. scheint es in unserer Neuzeit der Volksrepublik China von Mao zu gelingen, aus dem von Armut, Hunger und blutigen Revolutionen geplagten Land ein Imperium mit über 1,3 Milliarden Einwohnern (Statistik 2011) mit einer hypermodernen, straff organisierten Wirtschaft, einer gefährlichen Konkurrenzfähigkeit, einem wachsenden politischem Schwergewicht und der dazugehörenden Finanzkraft zu schaffen. Natürlich gibt es, trotz all dem Glanz seiner hypermodernen Infrastruktur, immer noch viele dunkle, ja sogar tiefschwarze Flecken von Armut und Elend in weiten Teilen dieses Landes und seiner weiterhin wachsenden Bevölkerung.

II

Wer die Gelegenheit hatte, im direkten Kontakt diese Entwicklung zu erleben, der ist von dem unglaublichen Tempo in einer ebenso unglaublichen Grössenordnung buchstäblich erschlagen. Als Direktor der Basler Messen öffnete ich Anfangs der 70iger Jahre die Muba einer Reihe von Staatshandelsländern, worunter China neben Russland und einer Reihe anderer Comecon Länder. Ich tat dies, wie es der damalige Präsident der Sowjetischen Handels- und Industriekammer Pitovranov so treffend formulierte, um den staatlichen und halbstaatlichen Exportgruppierungen die Gelegenheit zu bieten, sich an die Arbeit in der freien Marktwirtschaft zu gewöhnen, In China war es damals die allmächtige staatliche Organisation des China Council for the Promotion of International Trade.

III

So kam es, dass mit der Rückkehr von Deng Xiaoping (1976 und der definitiven Machtübernahme 1982) die wirtschaftliche Liberalisierung Chinas sich auch für deren jährliche Beteiligung an der Muba positiv auswirkte und für mich bis 1988 zu regelmässigen Reisen nach China führte. Von einem Mal zum anderen war ich immer wieder von den unglaublichen Fortschritten stark beeindruckt. Als aber 1987 ein Vizebürgermeister von Schanghai Regierungsrat Jenny und mir die Baupläne für die Errichtung all der heutigen Wolkenkratzer am „Bund“ zeigte, fanden wir dies in unserer damals noch vorherrschend westeuropäischen Überheblichkeit doch als allzu naiv. Reise nach Reise wurde ich aber immer wieder von der unglaublichen Schnelligkeit der Chinesen in allem und jedem eines Besseren belehrt.

Als zum Beispiel 1976 die grösste Tanzgruppe Shanghais in unserem Muba Festsaal eines ihrer patriotischen Tanz- und Gesang-Schauspiele präsentierte, lachten wir alle darüber, dass die Tänzerinnen nicht mehr Haut als an den Händen und im Gesicht, dazu noch mit viel Schminke zugedeckt, zeigen durften.  Bereits sechs Jahre später (1982) war ich von den Miniröckchen, den wunderbaren Beinen, die Eleganz und Schönheit der Chinesinnen, befreit von den klobigen dunkelblauen oder grauen Mao Jacken und Hosen, begeistert. Überhaupt sind gerade die jungen Chinesen ein angenehmer, sportlicher und sympathischer Menschenschlag.

IV

So erging es mir in allem und jedem bei meinem Reisen nach China, Jahr für Jahr eine umwälzende Änderung nach der anderen bis zu der, für mich nach einem längeren Unterbruch besonders stark empfundenen Überraschung des eingangs gewährten Dokumentarfilms, der ein China nicht unserer schon auf die Spitze getriebene Modernität zeigt, sondern ein China, das in eine weit über unsere Gegenwart hinausgehende Zukunft weist. Ein Land, das sich von der Mitte Asiens mit langen gleissenden Fangarmen über die ganze Welt ausdehnt, mit seinen modernen Produkten und Maschinen, seinen suaven, stilgerechten, intelligenten und irgendwie gefährlich wirkenden Menschen, sich mit seinen überall und in allem und jedem investierten Geldern und implantierten Menschen in allen anderen Erdteilen festsetzt, buchstäblich einwurzelt und auch dort zum Mittelpunkt wird! Und das alles dank der modernen Elektronik und Lasertechnik und bald noch dank zahlloser anderer, uns überraschender wissenschaftlicher Entwicklungen.

V

Das alles in einem weit ausgedehnten und trotzdem äusserst feinmaschigen Netz, das aus uns anderen Erdbewohner Puppen oder die modernen „Kulis“ des neuen Reichs der Mitte machen wird, sofern nicht wie alles Übermächtige auch dieses Imperium bereits den Kern des eigenen Auseinanderbrechens in sich trägt. Hoffentlich das Auseinanderbrechen in seine ethnischen, kulturellen (sprachlichen) und wirtschaftlich lebensfähigen Länder und Völker, die zum friedlichen Zusammenleben besser geeignet sind als die heute immer noch unsere Welt beherrschenden Superblöcke.

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