Auf was können wir Schweizer heute noch stolz sein?

26 Juli, 2013 at 10:03 pm Hinterlasse einen Kommentar

I

Den Franzosen geht es wirtschaftlich nicht allzugut, aber am 14. Juli konnten sie auf ihre Armee stolz sein. Nicht nur wegen dem vorzüglichen Eindruck ihrer Militärakademien mit den sportlichen, intelligent und zielbewusst marschierenden Studenten (Männer und recht viele Frauen), sondern auch wegen den braven von blutigen Kriegsfronten zurückgeholten Soldaten, vorab die immer wieder beeindruckenden Fremdenlegionäre, die fantastische Luftwaffe und die kriegsgeübten Fallschirmspringer. Gesunde, junge Menschen, die bereit sind überall auf der Welt für Freiheit und etwas mehr Menschenrechte ihr Leben zu opfern.

In Grossbritannien, wo tausende von Menschen Tage und Wochen auf die Geburt des inzwischen geborenen Thronfolgers George warteten und dadurch in einen das ganze Land erfassenden Freudentaumel und eine tsunamiartige Welle von purem patriotischen Stolz gestürzt wurden. Und in Brasilien der Besuch von Papst Franciscus, der Millionen gerade auch junger und armseliger Menschen in einen religiösen geistig moralischen Taumel und Rausch stürzte fern von all den sonst so üblichen materialistischen geldgierigen Genüssen unserer permissiven Gesellschaft. Ägypten, wo, wie in der ganzen arabischen Welt, um die minimalen Bürgerrechte täglich tausende von besonders jungen Menschen bereit sind mit nichts anderem als ihrem Blut zu kämpfen. Gleich wie überall sonst, wo das Geld die Macht hat und ehrliches Geld nur mit dieser immer brutaleren Macht erhältlich ist und so zum Goldenen Kalb, dem leider von vielen angebetenen Götzen unserer Zeit, geworden ist.

II

Als alter Bürger eines Landes, das sich heute als eine der wenigen noch bestehenden direkten Demokratien rühmt, sitze ich stundenlang vor dem Fernseher, lese alles was ich finden kann und spreche mit jedem, der mir zuhören will, um herauszufinden, was denn noch an der Mär einer direkten, wehrfähigen, neutralen und humanitären Demokratie wahr ist.

Ein Land, in welchem der neuerdings höchste Gott, eben das Goldene Kalb, seinen Hauptsitz in einem der bisher wichtigsten Finanzplätze der Welt aufgeschlagen hat. Deshalb, so wird uns das eingeredet, gehe es uns besser als der Mehrzahl der anderen Völker und Länder. Das stimmt, aber nur deshalb weil sich alle für das Funktionieren einer direkten Demokratie verantwortlich Stellen und Menschen irgendwie von ihrer vorgesehenen Verantwortung abgemeldet haben:

*Das Stimmvolk stimmt für das, was ihm von den uns alle erfassenden Medien eingeredet wird. Wer nicht einverstanden ist, der zieht sich immer mehr in die stets grösser werdende schweigende Mehrheit zurück.

*Die Medien gehorchen in allem und jedem, den hinter ihnen stehenden Superreichen und deren weltweit dominierenden Klüngel in der Politik, der Wirtschaft, der Verwaltung und allen gesellschaftlichen Einrichtungen.

*Besonders kontrollieren die Superreichen und deren Klüngel alle demokratischen Einrichtungen wie Parlamente bzw. Parlamentarier, Regierungen und deren Verwaltungen.

*Ebenso kontrollieren sie alle Boden- und Naturschätze, alle industriellen und wirtschaftlichen Produktionsmittel, Forschung und Erfindungen, Transporte und alle öffentlichen Dienstleistungen und sozialen Einrichtungen.

III

Dass die Macht der Superreichen auch in der Schweiz unsere direkte Demokratie zu einer leeren Fassade gemacht haben, ist mir an der letzten Club-Sendung von SRF 1 (23.07.13) so richtig durch eine ganz kurze Intervention eines der ganz Reichen bewusst geworden. Dem Sinn nach sagte er, dass man als Milliarden reicher Mann im Grunde nie verlieren könne. Man könne in diesem Bereich mit Milliardenbeträgen das Auf und Ab kontrollieren. Die Reichen sollten sich deshalb ihrer Macht und Verantwortung bewusst werden und entsprechend handeln.

Das ist sehr positiv, aber wie so oft wird das auch wirklich beherzigt? – Sicher nicht, wenn sogar dieser Reiche der Meinung war, man sollte wieder mehr auf den Mittelstand achten und die erzieherische Wirkung der allgemeinen Wehrpflicht nicht unterschätzen. Immer mehr politische Kreise finden unsere Volksarmee als einen alten Zopf, der nur viel Geld koste und ohnehin nicht mehr zu dem gehöre, auf was wir stolz sein können. Dabei war unsere Wehrfähigkeit vor noch nicht allzulange Zeit die Basis unserer Neutralität, beides Dinge, auf die sich allzu viele Schweizer heute nicht mehr allzuviel einbilden.

Dafür ist für viele Ausländer, und nicht nur die Armen und Flüchtlinge aus der ganzen Welt, die Schweiz ein Paradies, ein Land, in dem sich gut leben lässt.

Kann man auf so etwas überhaupt noch stolz sein, wenn es sonst überall Millionen von Menschen nicht nur schlecht geht, sondern überhaupt ein Überleben gar nicht mehr möglich ist?

Nein, auf jeden Fall kein Grund am 1. August in einen überbordenden, patriotischen Taumel, mit Feuerwerk, schönen Reden, viel Alkohol, Drogen, Gejohle, Tam Tam und sonst alle Belustigungen unserer permissiven Gesellschaft zu fallen.

IV

Die Zeit der Besinnung ist gekommen. Die Zeichen dafür sind unzählig und deutlich genug. Wenn das Leben in der Schweiz von den anderen zum Vorbild genommen wird, so wäre es vielleicht an uns, zur moralischen Erneuerung, zur Schlachtung des Goldenen Kalbs aufzurufen und mit dem guten Beispiel voranzugehen nicht, wie die Franzosen am 14. Juli 1789 mit dem Ruf nach Freiheit Gerechtigkeit und Brüderlichkeit sondern heute am 1. August 2013 mit dem Ruf für Freiheit, Frieden und viel geistig-moralischer Fortschritt für alle.

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