Offener Brief an René Lüchinger Chefredaktor des Blick

31 Juli, 2014 at 9:36 pm Hinterlasse einen Kommentar

– mit Dank für den Leitartikel  <<Ein Land im Nirgendwo>> vom 31. Juli 2914

I

Zum Glück gibt es in unserem von all den hochnäsigen Nachbarn verschreckten Land noch Leute wie Sie. Der für Ihren Erst-August-Leitartikel benützte Titel <<Ein Land im Nirgendwo>> hat zwar zunächst meine Schlagadern rasant anschwellen lassen, was für einen 94 jährigen Bürger, nicht sehr gut sein soll. Nach der sorgfältigen Lesung Ihres Textes verstand ich dann sehr gut, was sie uns sagen wollten. Nämlich, dass der sonst so verehrte, im Vergleich zu mir noch recht unerfahrene Jüngling Peter Bichsel, wohl um wie er das so gerne macht, witzig zu sein, mit seiner Qualifikation der Schweiz als ein geschichtsloser Staat vollständig daneben gegriffen hat. Das ist « même pas drôle » würden die Romands sagen und auch als Berner teile ich, wie in vielen anderen Dingen, diese Meinung meiner heutigen Mitbewohnern in der Romandie.

II

Umsomehr danke ich Ihnen, dass Sie einen unserer ganz grossen Schriftsteller, Menschen, Denker und Bürger Friedrich Dürrenmatt erwähnten, der mit seiner Formel der Schweiz als eine gelebte Demokratie, wie man so sagt, den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Genau so wie sich das zur Diskussion stehende Nirgendwo im Zentrum der Bergketten befindet, die Westeuropa in eine nördliche und südliche Hälfte teilen. Von Anfang an waren in diesen Bergketten die Alpen, unsere Alpen, nicht nur ein wichtiges Wasserreservoir dieses Teils von Europa, sondern sie erwiesen sich über die Jahrhunderte als einer der kürzesten, wenn auch gefährlichsten und schwierigsten Wege vom Norden nach dem sonnigen Süden.

III

Das weiss jedes Kind, würde man meinen. Aber was das alles bedeutet, sollten sich unsere Nachbarn (vor allem die hochverehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel) jeden Tag wenigstens einmal in Erinnerung rufen. Alle die Hilfe und Rettung von tausenden verlorenen, erfrierenden und herumirrenden Menschen, welche durch Jahrhunderte hindurch von den Bewohner dieser Alpen gerettet wurden. Und wenn Kaiser und Papst um die Herrschaft über diesen Nordsüd-Weg kämpften, dann waren sie schliesslich froh, dass die Älpler für einen unparteiischen jedem ehrlichen Menschen zugänglichen Weg nach Süden sorgten (Kaiser Friedrich II, Hohenstaufen bestätigte dies mit der Gewährung der Reichsunmittelbarkeit an die Urkantone der Schweiz 1231). Und als Asyl-Land hat die Schweiz, wenn nötig, zahllosen Soldaten und wiederholt ganzen Armeen ein sicheres Asyl oder einen sicheren Übergang gewährleistet.

IV

Heute ist das nicht anders. Nach wie vor haben diese Älpler mit Milliarden Franken aber mit noch viel mehr Milliarden von schweren Arbeitsstunden für sichere Wege über und durch diese Alpen gesorgt. Dazu mit einem allgemein anerkannten Statut der Neutralität unseres Landes – von wenigen seien nur erwähnt der westfälische Frieden von 1648 nach dem dreissigjährigen Krieg, der Pariserfrieden von 1817 zum Ende der napoleonischen Kriege, Weltkriege I und II, neuesten die Ukraine und hoffentlich morgen nicht in einem von der EU angerissenen West-Ost-Atomkrieg).

V

Und nach jedem Krieg war es die Schweiz, die den wirtschaftlichen Wiederaufbau gerade in Westeuropa mit ihrer intakt gebliebenen Produktivität, Forschung und den dazu erforderlichen Geldmitteln entscheidend zu unterstützen vermochte. Als geschichtsloser Staat wäre uns das wohl kaum gelungen. Gerade dank unserer harten Schule als ein armes Älpler-Volk haben wir nicht nur gelernt gut und hart zu arbeiten, bescheiden zu sein und einander zu helfen. Wenigstens immer wieder zueinander, auch mit den zu uns flüchtenden Menschen, zu finden und gemeinsam die notwendigen Lösungen zu erarbeiten. Statt Strassenschlachten und gegeneinander zu Politisieren und Intrigieren haben wird immer wieder eine gemeinsame Plattform zum Weitermachen gefunden. Das Herr Bichsel ist gelebte Demokratie im Sinne von Friedrich Dürrenmatt , wie ich sie in 25 Jahren Bundesdienst und 17 Jahren der Öffnung der Messestadt Basel für Europa und die Welt miterleben durfte.

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Mit Neutraler Ukraine einen West-Ost Atomkrieg verhindern Die Stimme des Citoyens

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